Inhaltsverzeichnis
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1. Zur „Frühgeschichte“ der
Psychosomatischen Medizin
2. Das Leib-Seele-Problem im Spiegel
des Rationalismus
3. Psychismus und Somatismus – zwei
Medizin-Richtungen im 19. Jahrhundert
4. S. Freuds Entdeckung des ersten
psychosomatischen Modells
5. Erweiterungen und Folgemodelle
des Konversionskonzeptes
6. Das Problem der Spezifität
beim Zusammenwirken seelischer und
körperlicher Faktoren
7. Die zweiphasige Verdrängung
bei Alexander Mitscherlich
8. Pensée operatoire
und Alexithymie
9. Psychosomatik im
Zeichen der Neurobiologie – der
Blick in die Zukunft
Psychosomatik im Zeichen der Neurobiologie – der Blick in die Zukunft …
Zum Ende des 20. Jahrhunderts war es gelungen das menschliche Genom zu entschlüsseln. Allerdings müssen die verschiedenen genetischen „Landkarten“ noch in ihrer Bedeutung für bestimmte Krankheiten weiter intensiv untersucht werden. Die Wechselwirkung zwischen Anlagefaktoren und Entwicklungsbedingungen wurde bislang von vielen Forschern noch zu wenig interdisziplinär hinterfragt und Befunde daher zu sehr monokausal und zu wenig multifaktoriell diskutiert. Hoffnungsvoll stimmt aber, dass zunehmend Neurowissenschaften und Psychoanalyse aufeinander zugehen und ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede untersuchen.
Inhaltlich neu ist dabei das Konzept der Plastizität des Gehirns. Es besagt, dass Erfahrungen sich strukturell in das Gehirn „einschreiben“. So kann Psychotherapie zu strukturellen Hirnveränderungen führen. Mit Lacan könnte man sagen26: „Es kommt darauf an zu begreifen, wie der Organismus in das Subjekt hinein kommt.“ Die neuronale Entwicklung wird nicht – wie lange angenommen – in Kindheit und Jugend abgeschlossen; vielmehr erweist sich das Gehirn sich als ein erstaunlich veränderbares Organ, das ständig neue Eindrücke aufnehmen und dadurch strukturell geprägt werden kann.
In ihrem Buch Das Individuelle des Gehirns27 zeigen der französische Psychoanalytiker François Ansermet und der Neurobiologe Pierre Magistretti wesentliche Aspekte der momentanen Befundlage auf. Das aufregend Neue ist dabei, dass wahrscheinlich die Vorstellung verlassen werden muss, dass die Umgebung (bzw. Erfahrung) die Expression eines bestimmten Phänotyps lediglich beeinflusst oder moduliert (sog. Interaktionsmodell). Vielmehr legen die Befunde nahe, dass Genotyp und Umgebung (bzw. Erfahrung) gemeinsam als gleichwertige Determinationsachsen einen individuellen Phänotyp hervorbringen. Die Verbindungen zwischen den Neuronen werden laufend durch neue Erfahrungen verändert. Wie der Nobelpreisträger E. R. Kandel28 in der Zeitschrift Science 2001 festgestellt hat, können für die Expression eines Gens epigenetische Faktoren wie die subjektive Erfahrung eine entscheidende Rolle für die Verwirklichung des genetischen Programms spielen.
Die folgende Abbildung orientiert sich an der Darstellung von Ansermet und Magistretti (2005, S. 26).
Interaktionsmodell: Hierbei erfolgt lediglich eine Modulation des Genotyps durch Umgebung (bzw. Erfahrung).

Plastizitätsmodell: Hierbei sind Genotyp und Umgebung (bzw. Erfahrung) gleichwertige Determinationsachsen für die Expression des Phänotyps.

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26 Lacan J: Position de l’inconscient. Écrits,
Seuil, Paris 1966, S. 849
27 Ansermet F, Magistretti P (2004): À chacun son cerveau – Plasticité neuronale
et inconscient. Dt.: Die Individualität des Gehirns. Suhrkamp, Frankfurt/M.
2005
28 Kandel ER (2001): The molecular biology of memory storage: A dialogue
between genes and synapses. Science, 294:1030-1038
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1. Zur „Frühgeschichte“ der
Psychosomatischen Medizin
2. Das Leib-Seele-Problem im Spiegel des
Rationalismus
3. Psychismus und Somatismus – zwei Medizin-Richtungen im 19. Jahrhundert
4. S. Freuds Entdeckung des ersten psychosomatischen
Modells
5. Erweiterungen und Folgemodelle des
Konversionskonzeptes
6. Das Problem der Spezifität
beim Zusammenwirken seelischer und
körperlicher Faktoren
7. Die zweiphasige Verdrängung bei
Alexander Mitscherlich
8. Pensée operatoire und Alexithymie
9. Psychosomatik im Zeichen der
Neurobiologie – der
Blick in die Zukunft
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