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Inhaltsverzeichnis
(zum Navigieren bitte auf den Titel klicken)
1. Zur „Frühgeschichte“ der
Psychosomatischen Medizin
2. Das Leib-Seele-Problem im Spiegel
des Rationalismus
3. Psychismus und Somatismus – zwei
Medizin-Richtungen im 19. Jahrhundert
4. S. Freuds Entdeckung des ersten
psychosomatischen Modells
5. Erweiterungen und Folgemodelle
des Konversionskonzeptes
6. Das Problem der Spezifität
beim Zusammenwirken seelischer und
körperlicher Faktoren
7. Die zweiphasige Verdrängung
bei Alexander Mitscherlich
8. Pensée operatoire
und Alexithymie
9. Psychosomatik im
Zeichen der Neurobiologie – der
Blick in die Zukunft
Pensée operatoire und Alexithymie
Die bisherigen psychoanalytischen Vorstellungen über psychosomatische Phänomene waren mehr oder weniger von der Idee geprägt, dass unbewusste intrapsychische Konflikte – ähnlich wie bei der Konversionsneurose – sich in körperlichen Symptomen niederschlagen bzw. „verdinglichen“ könnten. Mit Schur und Mitscherlich tauchten dann zunehmend ich-strukturelle Aspekte in der psychoanalytischen Psychosomatik auf.
Auf dem 20. Kongress der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung 1957 in Paris berichtete der französische Psychoanalytiker Pierre Marty24 erstmals von seinen Beobachtungen, die er an allergischen Patienten gemacht hatte. Er beschrieb normorientierte, sozial gut angepasste Patienten, die dadurch gekennzeichnet waren, dass sie kaum oder gar nicht neurotische Symptome zeigten. Dagegen fiel auf, dass sie weitgehend unfähig zum Fantasieren und Symbolisieren waren. Sie antworteten mechanistisch auf Fragen und wirkten distanziert und unpersönlich. Ihre Schilderungen wirkten konkretistisch und ohne Affekt vorgetragen. Solche Beziehungen werden vom Analytiker dann oft als „relation blanche“ – als leere Beziehung – erlebt, während der Patient den Analytiker ganz funktionalistisch wahrnimmt. Hier ein Beispiel einer solchen Kommunikation:
Patient: Heute hatte ich das Gefühl, dass es länger gedauert hat, bis Sie mir die Tür öffneten. Ich dachte schon, es könnte Ihnen etwas passiert sein und Sie könnten gestorben sein.
Therapeut: Wie wäre das für Sie gewesen?
Patient: Na ja, es wäre schon schade gewesen, denn ich hätte mir dann einen neuen Therapeuten suchen müssen!
Stephanos und Auhagen (1979/1983)25 verstanden
die pensée operatoire als archaisch und primärprozesshaft; sie übersetzten
es mit „automatistisches-mechanistisches Denken“.
Sie fassten auch die relevanten klinischen Befunde noch einmal zusammen:
- Reduplikation:
Die Tendenz, Objekte nach dem eigenen unstrukturierten Selbstbild wahrzunehmen;
Beispiel: „Sie haben schwarzes
Haar wie mein Mann: Leute mit schwarzem Haar haben mich noch nie enttäuscht.“ (Stephanos
u. Auhagen S. 159)
- Unfähigkeit zu fantasieren und zu träumen – bzw.
fallen Träume
sehr konkretistisch und als wenig fantasievoll auf. Typische Ich-Leistungen
wie Verschiebung oder Verdrängung
tauchen kaum auf.
- Störungen des Körperschemas, die auf defekte Ich-Funktionen
bzw. –Strukturen
zurückgehen: Störungen der Lateralität, Orientierung in Zeit
und Raum, binokuläres Sehen. Eine „dritte Dimension“ gibt
es nicht im Erleben der Betroffenen, ihre Zeichnungen bleiben zweidimensional
und geometrisch.
Die US-amerikanischen Psychiater Nemiah und Sifneos (1970, zit. n. Stephanos u. Auhagen25)
fanden dafür den treffenden Begriff Alexithymie („a“ = Mangel, „lexis“ = Wort, „thymos“ = Gefühl). Gemäß Marty (1976) beschrieben Stephanos und Auhagen25 nosologisch
vier Kategorien, die sie auch in einer hypothetischen Grafik zusammenfassten:

______________________________________________________________
24 Marty P (1958): La relation objectale allergique. Rev. Franç.
Psych. 22, 5-33
sowie : Marty P (1958): The Allergic Object Relationship. Int. J. Psycho-Anal.,
39: 98-103
25 Stephanos S, Auhagen U (1979): Objektpsychologisches
Modell auf der Basis der Französischen psychoanalytisch-psychosomatischen Konzepte. In: Hahn
P (Hg.): Kindlers Psychologie des 20. Jahrhunderts. Psychosomatik, Bd. 1.
Beltz, Weinheim, 1983, S. 156-175
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1. Zur „Frühgeschichte“ der
Psychosomatischen Medizin
2. Das Leib-Seele-Problem im Spiegel des
Rationalismus
3. Psychismus und Somatismus – zwei Medizin-Richtungen im 19. Jahrhundert
4. S. Freuds Entdeckung des ersten psychosomatischen
Modells
5. Erweiterungen und Folgemodelle des
Konversionskonzeptes
6. Das Problem der Spezifität
beim Zusammenwirken seelischer und
körperlicher Faktoren
7. Die zweiphasige Verdrängung bei
Alexander Mitscherlich
8. Pensée
operatoire und Alexithymie
9. Psychosomatik im Zeichen der Neurobiologie – der
Blick in die Zukunft
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